Saturday, 26. december 2009 6 26 /12 /Dez. /2009 19:05

Hallo Freunde der Fantasy. Ich hoffe ihr hattet bisher ein erholsames Weihnachtsfest? Wir dachten eine Rezi für Zwischendurch kann nicht schaden Zudem schulde ich es der Rezensentin sowieso schon seit langem.

 

Also, ohne weiteren Aufschub:

 

--

 

Max Frei – Das Echo Labyrinth 1: Der Fremdling

 

Der Autor:

 

Max Frei mischt seit 1995 die russischsprachige Fantasyszene auf. Lange rankten sich Mythen und Legenden um die Identität und Herkunft von Max Frei, bis schließlich ans Tageslicht drang, dass die beiden Künstler und Autoren Svetlana Martynchik und Igor Stepin unter diesem Pseudonym den Leser in eine fremde Parallelwelt entführen. Das war es aber auch schon, wenn es nach dem Autoren ginge, denn auf die Frage „Wer ist Max Frei?“ bekommt man stets die Antwort „Max Frei ist Max Frei.“ Dies beruht darauf, dass die Autoren Max nicht als ein Projekt, sondern als eigenständiges Wesen repräsentiert sehen möchten.

So sind bis heute an die zwanzig oder mehr Bücher erschienen, die von den Abenteuern und Erlebnissen des Verfassers Max Frei berichten und in oder um die labyrinthische Stadt Echo spielen. Fünf sind bisher auf Deutsch erhältlich, die alle zur Serie Das Echo Labyrinth gehören. Es gibt auch andere, bisher unübersetzte Einzelromane, die außerhalb des Kontextes von Echo von Maxs Abenteuern erzählen.

Im Übrigen dürfte es nicht verwundern, dass der Name des Helden trotz russischer Herkunft deutsch klingt, denn Svetlana Martynchik verbrachte ihre Kindheit zum Teil in Deutschland.

 

Das Buchäußere und der Aufbau:

 

Der Fremdling ist als Taschenbuch bei Blanvalet erhältlich und umfasst knapp über 400 Seiten. Die Covergestaltung lässt an einen klassischen Detektivroman aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts denken. Nur der Romantitel, Der Fremdling, passt sich im Schriftbild nicht dem Rest an, was ich als störend empfinde.

Der Inhalt ist in ein Vorwort, in dem sich Max dem Leser vorstellt und einen kurzen Abriss der Geschichte Echos gibt, und vier Geschichten von ca. 100 Seiten gegliedert.

 

Die Handlung:

 

Max hat die ersten dreißig Jahre seines Lebens als Nichtsnutz und Durchschnittsbürger auf der Erde verbracht. Wer weiß, vielleicht war er ja sogar Ihr Nachbar, man weiß es nie. Seine laissez-faire Haltung und sein mangelnder Ehrgeiz haben ihn weder irgendwohin gebracht noch werden sie es jemals tun. Das Leben ist uninteressant und verliert schnell seinen Reiz. Einzig Maxs Träume können seine Aufmerksamkeit fesseln. Seit seiner Kindheit hat er die verschiedensten Fortsetzungsträume. In einem dieser Träume lernt er in einer Kneipe Sir Juffin Halli kennen, den Leiter des Kleinen Geheimen Suchtrupps von Echo, der Hauptstadt der Vereinten Königreiche, und bekommt über kurz oder lang das Angebot, für Sir Juffin zu arbeiten. Max stimmt zu und findet sich in Echo wieder. Echo ist eine skurrile Stadt mit einer Menge skurriler Leute, in welcher skurrile Dinge geschehen und so gut wie jeder Alltagsmagie einsetzt. Die Aufgabe des Kleinen Geheimen Suchtrupps ist es, nicht erlaubte magische Vorgänge aufzuklären.

Bereits während der ersten Geschichte in seiner Eingewöhnungsphase in Echo widerfährt Max allerdings bereits die erste Begegnug dritter Art, sozusagen, und Max erkennt, dass die Bewohner von Echo zwar anders sind als die seiner Welt, sie dabei aber ihre ganz eigenen Probleme haben. Und bald darauf muss er sich auch schon den neuen Kollengen stellen, die jeder für sich einen Roman wert währen. Ob er nun versucht, sich mit der größten Labertasche des Trupps, Sir Melifaro, oder dem truppeigenen ernsthaften Meuchelmörder und größtem Fan seines eigenen Namens Sir Schurf Lonely-Lokley anzufreunden, oder mit der einzigen Frau des Trupps, Lady Melamori, zu kokettieren, witzige Szenen sind vorprogrammiert, denn Max wird den anderen als zugereister Barbar von der Grenze zu den Leeren Ländern vorgestellt.

 

Eindrücke:

 

Am ehesten kann man bei Max Frei einen Vergleich zur Scheibenwelt von Terry Pratchett ziehen, in speziellen fühlte ich mich an [b]Helle Barden[/b] von Pratchett erinnert. Auch hier, in den Romanen um das Echo-Labyrinth, zentrieren sich die Ereignisse um eine Stadt, die skurrile und ungewöhnliche Bewohner und Orte aufweist. Und auch handelt es sich hier eher um eine Sammlung humorvoll sarkastischer Romane. Damit war es mit den Vergleichen aber auch schon. Echo ist kein schmutziger Großstadtsumpf, sondern die prächtigste Stadt der Vereinten Königreiche. Die Geschichten werden ausschließlich aus Maxs Sicht [Ich-Perspektivische Erzählweise] und nach anfänglicher Holprigkeit auch immer mehr mit sarkastischem/ironischem Untertorn erzählt. Max hält mit seiner Meinung zunehmend immer weniger hinter dem Berg. Er findet Gefallen am Leben als Held.

Zum Inhalt muss ich sagen, dass er mit sehr gefallen hat. Die vorkommenden Personen, sprich Maxs Kollegen, sind mir schnell ans Herz gewachsen. Sie alle haben Wiederkennungswert nicht nur was ihre Eigenheiten, sondern was auch ihr Äußeres angeht [und das trotz der immer gleich bleibenden Mode von Echo]. Einzig von Max fühlte ich mich gut die Hälfte des Buches etwas distanziert, was ich aber dem Umstand zuschreibe, dass sich zwei Autoren, die an einem Werk schreiben, sich erst einmal einfinden müssen. Zu Beginn gibt es Stellen, an denen die Geschichte flott vorangebracht wird, die sich allerdings mit solchen abwechseln, an denen sie sich zieht. Dies bessert sich nach der Hälfte des Buches. Ich kenne bereits einen der eigenständigen Max Frei Romane und habe in einen zu der Serie gehörenden reingelesen, und bei beiden hatte ich nicht den holprigen Eindruck, auch wenn auffällig ist, dass Max dazu neigt, sich über vieles viele Gedanken zu machen. Diese empfand ich aber selbst in [b]Der Fremding[/b] nicht als langweilig.

Hier sind wir aber auch schon bei dem Problem, das mir aufgestoßen ist: die Übersetzung. Denn die beiden erwähnten Romane habe ich auf russisch gelesen bzw. angelesen. Mir ist natürlich vollkommen bewusst, dass sich längst nicht alles getreu übersetzen lässt, aber man findet, wie soll ich sagen, „Ersatzsprichwörter“ aufdringlich häufig. Deutsche Sprichwörter gibt es zwar in der Originalfassung auch, aber nicht so häufig, sie wirken etwas gezwungen.

Und ich weiß nicht, wem ich es anlasten soll, der Übersetzerin oder dem Verlag, aber ich musste leider fest stellen, dass die deutsche Ausgabe zensiert ist. Ich frage mich, ob irgendwer von den verantwortlichen [b]Die Chroniken von Echo[/b] für Kinderbücher hält..? Das sind sie nämlich nicht. Und dennoch sind völlig unsinnige Dinge herausgeschnitten. Es gibt eine Szene, in der Max um die Ecke des hauses auf der Brücke biegt und dem General Bubuta Boch begegnet, der weder auf Max, noch auf irgendwen anders im Kleinen Geheimen Suchtrupp – abgesehen von Sir Juffin – gut zu sprechen ist. Dabei ist er auch nicht der hellste und seine Tiraden, die er regelmäßig über seine Angestellten ergießt, sind gesprickt von Worten, die nicht wirklich entfernt etwas mit Latrinen zu tun haben – namentlich Scheiße. Scheiße dies, scheiße das. Guess what? Irgendwer war so schlau, alle Abschnitte, in denen der gute Sir Bubuta Boch sein glänzendes Selbst ist, herauszuschneiden. Natürlich fragt man sich dann, worüber Max da so grinst und warum Bubuta Boch plötzlich bei Maxs Anblick verstummt, wo er doch kein Wort gesagt hat.

Davon abgesehen – und darüber hinweg zu sehen fällt mir persönlich eher schwer, ich mag es nicht, wenn man Bücher zensiert, vor allem wegen solcher Kleinigkeiten – ist die Erzählung aber vor allem in der zweiten Hälfte des Buches flüssig.

 

Fazit:

 

Nach anfänglichen Längen nimmt der Roman Fahrt auf und ich bin guter Dinge, dass sich das im zweiten Band fortsetzt. Es ist kein epischer Roman, kein Wälzer zum Leute erschlagen, sondern ein angenehmer, stellenweise spannender und an anderen Stellen lustiger Roman, das was man so gerne „für Zwischendurch“ ließt. Die handelnden Personen sind interessant, sowie die Stadt selbst, auch wenn man nur Bruchstücke von ihr zu sehen bekommt im ersten Band. Auch wenn ich diesem Buch nicht die volle Punktzahl geben würde, so kann ich es auf jeden Fall empfehlen. Kein Action-Blockbuster, doch eine Leseerfahrung wert..

 

Bewertung: 6/7 von 10 Sternen [← ich würde definitiv mehr geben, aber es geht hier um die übersetzte Fassung und man bedanke sich bei dem, der auf die Zensur-Idee gekommen ist ;)]

 

 

Schatten

von Anomandaris
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